Mittelalter

Ein erster Beleg für eine dem hl. Pantaleon geweihte Kirche an dieser Stelle findet sich in einer Urkunde von 866. In der Guntharschen Güterumschreibung, ein dem Erzbischof Gunthar von König Lothar II. bestätigtes Güterverzeichnis, wird auch eine ecclesia sancti Pantaleonis als bereits bestehende Kirche erwähnt. Wann und aus welchem Anlass Reliquien des hl. Pantaleon nach Köln kamen, erfahren wir allerdings nicht.

Das Patrozinium des Heiligen, der 305 im oströmischen Reich das Martyrium erlitten hat und dort von Beginn an verehrt wurde, ist für eine Kirche im fränkisch-deutschen Reich ungewöhnlich. Da in der Urkunde von 866 auch ein Hospital bei St. Pantaleon erwähnt wird, liegt allerdings die Vermutung nahe, dass in diesem Zusammenhang der Arztheilige Pantaleon als Schutzheiliger gewählt wurde.

Nach dieser ersten Erwähnung tritt St. Pantaleon erst wieder rund 100 Jahre später in die Geschichte ein. 953 wird Bruno, Bruder Kaiser Ottos des Großen, Erzbischof von Köln und erhält in St. Pantaleon das Pallium sowie weitere Reliquien des hl. Pantaleon. Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche, wie aus der Vita Brunonis, der Lebensbeschreibung des Erzbischofs, zu erfahren ist, offenbar in einem recht verwahrlosten Zustand. Wenn es auch keine genaueren Angaben dazu gibt, ist doch zu vermuten, dass die Normannenstürme von 881/82 die Kirche, die sich zu diesem Zeitpunkt noch außerhalb der Stadtmauern befand, arg in Mitleidenschaft gezogen haben.

Bruno, der St. Pantaleon von Anfang an gefördert hat, sorgte nicht nur für Ausbau und Verschönerung der Kirche, sondern gründete an dieser Stelle auch das erste Benediktinerkloster Kölns, wofür er testamentarisch erhebliche Summen zur Verfügung stellte. An diesem Ort – und nicht in dem karolingischen Vorgängerbau des Doms – wollte er seine letzte Ruhe finden, so berichtet es sein Biograph Ruotger. Der Sarkophag mit den Gebeinen des Erzbischofs befindet sich noch heute in der Krypta von St. Pantaleon.

Ein Jahr nach Brunos Tod (965), als man mit den Renovierungsarbeiten begonnen hatte, stürzte die alte Kirche ein, woraufhin beschlossen wurde, an dieser Stelle einen Neubau zu errichten. Dieser Neubau stellt die Grundlage der heutigen Kirche St. Pantaleon dar. Immer noch einschiffig, verfügte er bereits über ein Westwerk mit einem Mittelturm sowie zwei flankierenden zweigeschossigen Seitentürmen.

Bei den Grabungs- und Bauarbeiten im Zusammenhang mit dem Einsturz der Kirche wurde ein Holzsarg mit den Gebeinen des hl. Maurinus gefunden, der in einer Inschrift als Abt ausgewiesen wird, der im Vorhof der Kirche den Martertod erlitten habe. Allerdings ist über das Schicksal des Maurinus wenig bekannt. Außerhalb von St. Pantaleon fand er kaum Beachtung.

Noch zu Lebzeiten Brunos wurde mit dem Bau des Klosters begonnen, das der Erzbischof der von Gorze ausgehenden lothringischen Reform unterstellte. Mit der Einsetzung des ersten Abtes, Christian, fand die Gründungsphase 964 ihren ersten Abschluss. Das Ende der Bauarbeiten erlebte Bruno jedoch nicht mehr. Erst 980 wurde die Klosterkirche von seinem Nachfolger, Erzbischof Warin, geweiht.

Entscheidend für den weiteren Ausbau der Kirche sowie für die Verbreitung des Pantaleonspatroziniums wurde die byzantinische Prinzessin Theophanu, die 972 als Gattin des Kaisers Otto II. nach Deutschland kam und sich ebenso wie der Bruder ihres Schwiegervaters der Kölner Kirche annahm.

Theophanu beschenkte St. Pantaleon mit Ländereien und sorgte für den weiteren Ausbau der Kirche. Sie ließ das Kirchenschiff um zwei Joche nach Westen erweitern und das monumentale Westwerk errichten, das in seiner Planung möglicherweise noch auf Bruno zurückgeht. Der in der frühen Neuzeit abgetragene Skulpturenschmuck an der Außenfassade, mit einer von Engeln flankierten Majestas Domini in der Mitte, umgeben von den Heiligen der Kirche, entstand ebenfalls in der zweiten Hälfte des 10. Jh.

Ebenso wie Erzbischof Bruno wünschte Kaiserin Theophanu, in der Kirche St. Pantaleon bestattet zu werden. Nach ihrem Tod 991 in Nimwegen wurde ihr Leichnam nach Köln überführt und in Gegenwart ihres Sohnes, Ottos III., im Westwerk von St. Pantaleon beigesetzt. Theophanu war der hl. Pantaleon aus ihrer Heimat Byzanz, in der er schon wenige Jahrzehnte nach seinem Tod verehrt wurde, bestens vertraut, so dass sich ihre Affinität zur Kirche St. Pantaleon von daher erklären mag. Wenn sie auch nicht für das Kölner Patrozinium verantwortlich war, hat sie doch für eine Ausbreitung der Verehrung des frühchristlichen Märtyrers gesorgt.

Die Beschaffung von Reliquien eines weiteren Heiligen, der in der Kirche verehrt wird, geht hingegen direkt auf Theophanu zurück. Wenige Jahre vor ihrem Tod erbat sie vom Papst für die Kirche St. Pantaleon, die sie zu ihrer Grablege bestimmt hatte, die Gebeine des englischen Protomärtyrers Albanus, die einem Translationsbericht des 11. Jh. zufolge im 5. Jh. dem Bischof Germanus von Auxerre für seine Missionserfolge in Britannien mit nach Rom gegeben worden waren. Dort erhält Theophanu die Reliquien des Märtyrers und macht sich mit ihnen auf den Weg nach Köln, um sie in St. Pantaleon niederzulegen. Um 1170/80 werden für die Gebeine des hl. Albanus ebenso wie für diejenigen des hl. Maurinus wertvolle Schreine angefertigt, die sich noch heute in der Kirche neben dem Lettneraltar befinden.

Ebenfalls um die Mitte des 12. Jh. werden umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten durchgeführt. Die Kirche wird zu einer dreischiffigen Basilika ausgebaut. Beide Seitenschiffe erhalten – im Gegensatz zu dem noch mit einer Flachdecke versehenen Langhaus – ein Kreuzgratgewölbe. Wenig später erhalten auch die beiden Annexbauten südlich und nördlich des Hochchores eine reichere Ausstattung sowie ein Gewölbe. Gleichzeitig werden Kirche und Kloster in den seit 1180 errichteten städtischen Mauerring einbezogen.

Im Zusammenhang mit dem vierten Kreuzzug, der 1204 mit der Einnahme und Zerstörung von Konstantinopel seitens des Kreuzfahrerheeres endete, steht die Erweiterung des südlichen Kreuzgangflügels mit dem sogenannten „Kapitelsaal“ im Obergeschoss. Neueren Erkenntnissen zufolge hat es sich bei diesem Raum nie um einen Kapitelsaal gehandelt. Vielmehr wurde er nach 1208 vermutlich als Schatzkammer errichtet zur Aufnahme wertvoller Reliquien – darunter auch einer Schädelreliquie des hl. Pantaleon -, die ein aus der Eifel stammender Ritter, Heinrich von Ulmen, aus Konstantinopel mitgebracht und dem Kloster St. Pantaleon geschenkt hatte. Kurz nach Ankunft der Reliquien errichtete man über dem Kreuzgang ein aufwendig gestaltetes Schatzhaus, dessen neunteilige Kuppelform ihm einen Memorialcharakter verleiht, der die Nutzung als Kapitelsaal unwahrscheinlich macht.

Seit dem 13./14. Jh. ließ die Bedeutung der Benediktinerabtei St. Pantaleon nach. Wirtschaftliche Schwierigkeiten aufgrund von Verlusten an Klosterbesitz gingen einher mit nachlassender Klosterdisziplin. Zudem gewannen die sich nun in den Städten niederlassenden Bettelorden zunehmend an Attraktivität. Die Laienbruderschaften, die für St. Pantaleon in dieser Zeit belegt sind, zeigen jedoch gleichzeitig, dass das Kloster auch für Laien noch eine Anziehungskraft hatte, wenn auch in geringerem Maße als die Bettelorden.

Dennoch zählte St. Pantaleon noch gegen Ende des 14. Jh. zu den sieben Hauptkirchen der Stadt, die bei Bittprozessionen besucht wurden. Allerdings scheint dabei im Spätmittelalter und vor allem in der frühen Neuzeit nicht Pantaleon im Mittelpunkt gestanden zu haben, sondern eher der Albanusschrein, dessen Langseite unter den Martyriumsszenen des Albanus zum Herunterklappen eingerichtet wurde, so dass die Gläubigen den Leib des Heiligen und gleichzeitig darüber in goldenen Bildern auch sein Martyrium sehen konnten.