Interview (Dr. Steinitz)

Interview des ehemaligen Pfarrers an St. Pantaleon, Monsignore Dr. Peter von Steinitz anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Freundeskreises St. Pantaleon e.V am 12. Juni 2012

 

Frage: “Monsignore Dr. von Steinitz, einige Jahre nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit an St. Pantaleon regten Sie die Gründung des Freundeskreises St. Pantaleon e.V. an, dessen 20-jähriges Bestehen am 12. Juni diesen Jahres gefeiert wird. Was waren die Motive, diese Vereinigung zu gründen und wie kam es dazu?”

Ich betrachte es als eine außerordentlich glückliche Fügung, dass ich im vierten Jahr meiner Pfarrtätigkeit, also im Herbst 1991, Rainer Maedge kennen lernte, der, aus einer ganz anderen Richtung kommend, in der Kirche St. Pantaleon ein Kulturerbe sah, das zu fördern er sich vornehmen wollte. Tatsächlich sollte sich sein Engagement für St. Pantaleon als außerordentlich segensreich erweisen. Nach wenigen Gesprächen wurde uns beiden klar, dass eine Zusammenarbeit nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich sehr erfreulich sein würde.

Die Gründungsversammlung des Freundeskreises fand am 26. November 1991 statt, und kurz darauf, Anfang Dezember, die erste reguläre Sitzung. Die Gründung stand offensichtlich unter einem guten Stern, denn sehr bald fanden Persönlichkeiten des kulturellen Lebens zu diesem überkonfessionellen Kreis, darunter Prof. W. Nyssen, Prof. P. Mikliss, Prof. A. Zerlin und Rechtsanwalt F. Zerlin, Prof. A. Legner, der Architekt Y. Netz und Frau Roswitha Netz u.v.a. Von Anfang an legte Rainer Maedge besonderen Wert darauf, möglichst viele Angehörige der Pfarrgemeinde mit einzubeziehen. So kamen vom Kirchenvorstand K.J. Baum und Gertrud Bach, sowie die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Maria Macarie u.a. dazu. Rechtsanwalt Dr. L. Peters besorgte die juristische Form der Vereinssatzung, die dann beim Notariat Rodert/ Adenauer vorgelegt wurde.

Bei der Gründung des Freundeskreises St. Pantaleon e.V. waren wir von dem gemeinsamen Gedanken beseelt, die Basilika St. Pantaleon in ihrem Bestand zu erhalten und, soweit angebracht, zu verschönern, was sowohl dem Gottesdienst und der Andacht der Gläubigen als auch dem Interesse der künstlerisch und musikalisch Interessierten dienen sollte

Frage: “Würden Sie sagen, dass zu dieser fruchtbaren Zusammenarbeit auch der genius loci, also das besondere geistige Klima der Stadt Köln beigetragen hat?”

Für mich war und ist es ein schönes Zeichen, dass in Köln – wohl mehr als in anderen Städten – ein kulturelles Klima herrscht, das eine Zusammenarbeit zwischen Menschen sehr verschiedener geistiger Herkunft ermöglicht. Ähnlich wie es seit vielen Jahren beim Förderverein Romanische Kirchen, ebenfalls in Köln, ein sehr schönes Einvernehmen gibt zwischen Vertretern der verschiedensten Richtungen: dem Generalvikariat und den Pfarrern einerseits, der Stadtpolitik andererseits mit den verschiedenen politischen Parteien, ferner der Banken, der kunsthistorischen Fachleute, etlicher Unternehmen und zahlreicher Privat-personen.

Frage: Sie erwähnen den Förderverein Romanische Kirchen e.V. Gibt es zwischen dem Freundeskreis und dem Förderverein einen Zusammenhang?”

Der Förderverein hat sich immer – und das sei hier mit Dankbarkeit erwähnt – in sehr großzügiger Weise der romanischen Kirche St. Pantaleon angenommen. Es traf sich sehr gut, dass Herr Maedge auch im Vorstand des Fördervereins Romanische Kirchen e.V. tätig war.

 

Frage: “Welches waren die konkreten Projekte, bei denen der Freundeskreis St. Pantaleon mitgewirkt hat?”

 Die baulichen Maßnahmen, an denen der Freundeskreis sich beteiligt hat, seien hier nur stichwortartig aufgeführt:

a) die Verlegung der beiden Schreine aus dem 12. Jahrhundert (Albanusschrein und Maurinusschrein) in den Altarbereich,

b) die Verlegung des Sarkophags der Kaiserin Theophanu in das von ihr geschaffene und dazu bestimmte Westwerk,

c) Überlegungen bezüglich der Wiederherstellung der sog. Katharinenkapelle im Hochchor,

d) Gestaltung der Kapelle nördlich des Hochchors, später St.Josefmaria-Kapelle,

e) Restaurierung und Ergänzung der spätmittelalterlichen Fenster im Hochchor,

f) Neugestaltung des Chorumgangs hinter dem Hochaltar als Raum für Schatzstücke

g) und schließlich die Taufkapelle südlich des Hochchors

Frage: “Hat der Freundeskreis nur bauliche Maßnahmen gefördert?”

Nein. Neben den baulichen und restaurativen Maßnahmen wurden und werden vom Freundeskreis auch einige Veranstaltungen sowohl liturgischen als auch kulturellen Charakters gefördert, nämlich

a) das jährliche Kaiserin-Theophanu-Gedenken im Juni

b) die Vortragsreihe “Medium Aevum”

c) Ikonenausstellungen

Zu erwähnen ist hier insbesondere auch das traditionelle Weihnachtskonzert, das der Freundeskreis in diesem Jahr ohne Auslassung zum 20sten Mal organisiert und ausrichtet; mit Unterstützung des Intendanten der Philharmonie Köln bei der Auswahl und Zusammenstellung der Programme wird hier seit Jahren eine musikalisch hochkarätige Einstimmung auf die Weihnachtszeit geboten.

 

Frage: “Am Schriftenstand der Kirche werden verschiedene Publikationen angeboten. Einige davon scheinen auf das Konto des Freundeskreises zu gehen?

Zur Zeit ist ein neuer Kirchenführer in Arbeit, dessen Herausgabe sich verzögerte, weil wichtige Baumaßnahmen, die dort ihren Niederschlag finden sollen, noch nicht vollendet waren. Ferner wurden mit Hilfe des Freundeskreises St. Pantaleon folgende Schriften herausgegeben:

a) “Theophanu” von P. v. Steinitz (Hrsg.), mit Beiträgen von Moses Sotiriades, Petra May, Peter von Steinitz und Andreas Schmitt

b) “Pantaleon der Arzt”, Historischer Roman von Peter von Steinitz

c) “Die Kaiserin Theophanu und St. Pantaleon” – Vorträge aus der Reihe “Medium Aevum”

 

Frage: “Mit welcher Entwicklung des Freundeskreises darf ggf. gerechnet werden?”

Seit dem Frühjahr 2007 befinde ich mich im Ruhestand und gehe seelsorglichen Aufgaben in Münster nach, besonders in der Arbeit mit Studenten.

Gestatten Sie mir an dieser Stelle, dass ich anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Freundeskreises seinem Vorsitzenden, Herrn Rainer Maedge, für seinen unermüdlichen und selbstlosen Einsatz und die immer angenehme Zusammenarbeit danke. Mein Dank gilt natürlich auch und besonders den Damen und Herren des Vorstands und allen Freunden von St. Pantaleon.

Ich freue mich, dass mein Nachfolger, Pfr. Dr. Volker Hildebrand, den Freundeskreis mit Kompetenz und Freude an der Sache fortführt und begleitet.

Dem Freundeskreis St. Pantaleon e.V. wünsche ich weiterhin gutes Gelingen aller Vorhaben und Gottes Segen.

Monsignore Dr. von Steinitz, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Prof. Dr. Michael Trimborn